PFAS: Warum Ewigkeitschemikalien uns alle betreffen

PFAS werden oft als Ewigkeitschemikalien bezeichnet. Gemeint ist eine grosse Gruppe synthetischer Stoffe, die wasser-, fett- und schmutzabweisend wirken. Genau deshalb wurden sie über Jahrzehnte in vielen Produkten eingesetzt, etwa in Beschichtungen, Textilien, Verpackungen, Kosmetik oder technischen Anwendungen.

Das Problem liegt in ihrer Beständigkeit. Viele PFAS bauen sich in der Umwelt nur sehr langsam ab. Einige können sich in Böden, Gewässern, Tieren und auch im menschlichen Körper anreichern. Darum geht es bei PFAS nicht nur um einzelne Produkte, sondern um ein langfristiges Umwelt- und Gesundheitsproblem.

Dass das Thema auch in der Zentralschweiz relevant ist, zeigt der Zugersee. Seit November 2025 dürfen Hecht und Egli aus dem Zugersee nicht mehr verkauft oder unentgeltlich abgegeben werden, weil die PFAS-Höchstwerte bei diesen Raubfischen überschritten wurden. Für privat gefangene Fische gelten Verzehrsempfehlungen, aber kein vollständiges Konsumverbot.

Was PFAS so problematisch macht

PFAS sind nicht ein einzelner Stoff, sondern eine ganze Stoffgruppe. Manche Verbindungen sind besser untersucht als andere. Gemeinsam ist vielen, dass sie sehr stabil sind. Diese Stabilität macht sie für Produkte nützlich, aber für Umwelt und Gesundheit schwierig.

Einmal freigesetzt, verschwinden PFAS nicht einfach wieder. Sie können über Abwasser, Industrie, Deponien, Löschschäume, Landwirtschaft oder belastete Produkte in die Umwelt gelangen. Von dort können sie ins Grundwasser, in Flüsse, Seen und Nahrungsketten gelangen.

Gesundheitlich werden bestimmte PFAS mit möglichen Auswirkungen auf Immunsystem, Leber, Schilddrüse, Hormonhaushalt und Entwicklung in Verbindung gebracht. Die Forschung läuft weiter, aber Behörden bewerten die langfristige Aufnahme bereits als relevant. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit betrachtet bei bestimmten PFAS besonders Effekte auf die Immunantwort als kritisch.

Was sich bei den Regeln verändert

In der Schweiz gelten im Trinkwasser aktuell Höchstwerte für einzelne PFAS. Derzeit sind PFOS, PFHxS und PFOA geregelt. Die EU hat strengere Vorgaben eingeführt, bei denen eine Gruppe von 20 PFAS gemeinsam bewertet wird. Die Schweiz überprüft ihre Trinkwasser-Höchstwerte und orientiert sich dabei an diesen Entwicklungen.

Das Ziel ist klar: PFAS sollen künftig stärker begrenzt und nur dort eingesetzt werden, wo sie kaum ersetzbar sind, etwa in bestimmten medizinischen, sicherheitsrelevanten oder technischen Anwendungen. Besonders im Fokus stehen Bereiche, in denen PFAS leicht in die Umwelt oder in den Alltag gelangen können, zum Beispiel Textilimprägnierungen, Lebensmittelverpackungen, Kosmetik oder wasserabweisende Beschichtungen.

Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das: Die Regulierung wird wichtiger, aber sie löst das Problem nicht sofort. PFAS sind bereits in der Umwelt vorhanden. Deshalb bleibt es sinnvoll, die eigene Belastung im Alltag dort zu reduzieren, wo es einfach möglich ist.

PFAS im Trinkwasser: Beispiel Luzern

Die Trinkwasserqualität kann regional unterschiedlich sein. Entscheidend ist unter anderem, ob Wasser aus Grundwasser, Quellwasser, Seewasser oder Mischsystemen stammt. Auch lokale Belastungsquellen spielen eine Rolle.

Im Kanton Luzern wurden 2025 insgesamt 44 Proben aus 38 Trinkwasserversorgungen untersucht. Bereits 2023 waren 28 Proben analysiert worden. Die Ergebnisse lagen unter den geltenden gesetzlichen Höchstwerten. Auch im Vergleich zu den strengeren EU-Werten wurden keine Überschreitungen gemeldet. Gleichzeitig wurden in rund 40 Prozent der Proben PFAS-Spuren nachgewiesen.

Für den Alltag heisst das: Das Luzerner Trinkwasser gilt derzeit als sicher. PFAS sind aber messbar. Das zeigt gut, worum es bei diesem Thema geht. Es geht nicht immer um akute Grenzwertüberschreitungen, sondern auch um Stoffe, die langfristig in der Umwelt bleiben und deshalb laufend beobachtet werden müssen.

Wo PFAS im Alltag vorkommen können

PFAS findet man vor allem dort, wo Oberflächen wasser-, fett- oder schmutzabweisend sein sollen.

In der Küche können ältere Antihaftpfannen eine Rolle spielen, besonders wenn Beschichtungen beschädigt sind. Bei modernen Produkten gibt es zunehmend Alternativen, trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf Material und Herstellerangaben.

Bei Outdoor- und Regenkleidung wurden PFAS lange für wasserabweisende Ausrüstungen eingesetzt. Viele Marken stellen inzwischen auf PFAS-freie Alternativen um. Wer eine neue Jacke kauft, kann gezielt nach fluorfreier oder PFAS-freier Imprägnierung suchen.

Auch Kosmetik kann PFAS enthalten, vor allem Produkte, die besonders lange halten oder wasserfest sein sollen. Dazu gehören etwa wasserfeste Mascara, Lippenprodukte, Foundation, Cremes oder Nagellack.

Lebensmittelverpackungen sind ein weiterer Bereich. Fettabweisende Take-away-Boxen, beschichtete Papiere oder bestimmte Fast-Food-Verpackungen können PFAS enthalten oder enthalten haben. Hier ist die Entwicklung im Gang, weil solche Anwendungen regulatorisch stärker unter Druck stehen.

Auch Möbel, Teppiche, Bauprodukte, Skiwachs, Imprägnierungen und technische Beschichtungen können PFAS enthalten. Für den Alltag sind vor allem die Produkte interessant, mit denen man häufig direkten Kontakt hat oder die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.

Wie man PFAS im Alltag reduzieren kann

Es braucht keine radikale Lebensumstellung. Sinnvoll sind vor allem einfache Entscheidungen, die sich gut in den Alltag integrieren lassen.

Alte oder beschädigte Antihaftpfannen sollten ersetzt werden. Gute Alternativen sind Edelstahl, Gusseisen, Emaille oder Keramik. Wichtig ist weniger das perfekte Material als die Frage, ob die Beschichtung intakt und für die Nutzung geeignet ist.

Bei Regenjacken, Outdoor-Ausrüstung und Imprägniermitteln lohnt sich der Hinweis „PFAS-frei“ oder „PFC-frei“. Viele Hersteller kennzeichnen solche Produkte inzwischen deutlich. Marken wie VAUDE, Patagonia, Jack Wolfskin, Fjällräven, Páramo, Ortovox und andere bieten in vielen Bereichen PFAS-freie Lösungen an. Entscheidend bleibt aber immer das konkrete Produkt.

Bei Kosmetik kann man wasserfeste Produkte bewusster einsetzen. Wer sie nicht täglich braucht, kann auf normale Varianten ausweichen und die Inhaltsstoffe prüfen. Hinweise auf „fluoro“, „perfluoro“ oder „PTFE“ in der INCI-Liste können auf fluorierte Verbindungen hindeuten.

Bei Verpackungen hilft es, unnötige Beschichtungen zu vermeiden. Unverpackte Lebensmittel, eigene Behälter, Glas, Edelstahl oder einfache Papierverpackungen sind oft die bessere Wahl.

Beim Trinkwasser sind Filter nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich ein Anlass besteht oder man die Belastung zusätzlich reduzieren möchte. Aktivkohle, Ionentauscher und Umkehrosmose können PFAS senken, wenn das System dafür geeignet und korrekt gewartet wird. Normale Haushaltsfilter sind nicht automatisch ausreichend. Wer filtern möchte, sollte auf geprüfte Systeme achten und Filter regelmässig wechseln.

Woran man PFAS-freie Produkte erkennt

Hilfreich sind klare Angaben wie „PFAS-frei“, „PFC-frei“, „frei von per- und polyfluorierten Chemikalien“ oder „ohne fluorierte Imprägnierung“. Bei Textilien können auch Labels wie bluesign, OEKO-TEX, GOTS, IVN BEST oder Nordic Swan Orientierung geben. Sie ersetzen aber nicht immer den Blick auf die konkrete Produktangabe.

Bei Outdoor-Produkten lohnt sich eine einfache Frage: Ist die wasserabweisende Ausrüstung fluoriert oder fluoridfrei? Seriöse Hersteller beantworten das meist klar.

Bei Kosmetik ist es etwas schwieriger. Hier hilft der Blick auf die Inhaltsstoffliste. Begriffe mit „fluoro“, „perfluoro“ oder „PTFE“ sind ein Hinweis, genauer hinzuschauen.

Was man nicht übertreiben muss

PFAS sind ein ernstes Thema, aber Panik hilft wenig. Nicht jedes Produkt mit wasserabweisender Eigenschaft ist automatisch ein grosses Risiko. Und nicht jede messbare Spur im Wasser bedeutet, dass ein akutes Gesundheitsproblem besteht.

Wichtig ist die langfristige Perspektive. PFAS bleiben lange in der Umwelt. Darum lohnt es sich, ihre Verwendung dort zu vermeiden, wo sie nicht nötig ist. Gleichzeitig braucht es Regulierung, Kontrolle und Sanierung belasteter Standorte. Einzelne Konsumentscheidungen helfen, ersetzen aber keine politischen und industriellen Massnahmen.

Fazit

PFAS sind kein fernes Industrieproblem. Sie kommen in Produkten vor, die viele Menschen aus dem Alltag kennen: Pfannen, Outdoor-Kleidung, Kosmetik, Verpackungen, Möbel oder Imprägnierungen. Über Umwelt und Nahrungsketten können sie auch in Seen, Fischen und Trinkwasser nachweisbar werden.

Die Schweiz und die EU verschärfen den Umgang mit PFAS schrittweise. Das ist wichtig, weil sich diese Stoffe nicht einfach abbauen und noch lange nach ihrer Freisetzung relevant bleiben.

Für den Alltag reichen einfache Schritte: beschädigte Antihaftpfannen ersetzen, PFAS-freie Outdoor-Produkte wählen, wasserfeste Kosmetik bewusster nutzen, unnötige beschichtete Verpackungen vermeiden und bei Wasserfiltern nur geprüfte Systeme verwenden.

So lässt sich die persönliche Belastung reduzieren, ohne den Alltag kompliziert zu machen. Gleichzeitig sinkt der Druck auf Umwelt, Gewässer und kommende Generationen.

Weiterführende Links

Das Thema PFAS ist riesig. In diesem Blog habe ich mich bewusst auf die alltagsrelevanten Aspekte konzentriert.
Wer tiefer einsteigen möchte, findet hier eine Auswahl weiterführender Informationen und offizieller Quellen:

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