PFAS: Die «Ewigkeitschemikalien» und warum sie uns alle betreffen

PFAS – oft auch als „Forever Chemicals“ bezeichnet – gehören zu den langlebigsten Chemikalien überhaupt. Sie sind eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien, die aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften seit den 1970er-Jahren in vielen Produkten genutzt werden. Einmal in der Umwelt, bleiben sie praktisch dauerhaft bestehen. Auch im menschlichen Körper bauen sie sich nur extrem langsam ab und können sich über Jahre hinweg ansammeln.

Alltagsbeispiel aus der Zentralschweiz: Im Zugersee mussten Fische wie Hecht und Egli seit November 2025 vom Verkauf ausgeschlossen werden, weil die PFAS-Werte zu hoch waren. Das zeigt: Das Thema ist näher, als viele denken.

Gute Neuigkeiten zuerst:

Ab 2026 strebt die Schweiz an, die Vorschriften für PFAS deutlich zu verschärfen:

  • PFAS sollen nur noch dort eingesetzt werden, wo es keine Alternativen gibt – etwa bei bestimmten medizinischen oder technischen Anwendungen.

  • Trinkwasser: Höchstwert soll auf die strengeren EU-Richtlinien von 0,1 µg/L (Millionstel Gramm pro Liter) auf relevante PFAS-Gruppe angepasst werden. Zuvor wurden nur einzelne Stoffe bewertet, oft mit höheren Grenzwerten. Wasserversorger müssen genauer prüfen und ggf. nachrüsten.

  • Nicht mehr erlaubt bzw. stark eingeschränkt: Outdoor-Textilien, Imprägnierungen, Lebensmittelverpackungen, Kosmetik

Die Trinkwasserqualität kann regional stark unterschiedlich sein – abhängig davon, ob das Wasser aus Grundwasser (eher hohe Belastung), Quellwasser (eher niedrige Belastung) oder Mischsystemen stammt.

PFAS im Trinkwasser: Situation in Luzern

2025: 44 Proben aus 38 Versorgungen getestet.
2023: 28 Proben analysiert.

Ergebnisse:

  • Alle Proben lagen unter den geltenden gesetzlichen Höchstwerten – und auch unter dem ab 2026 geltenden EU-Grenzwert.

  • PFAS-Spuren wurden jedoch in etwa 40 % der Proben nachgewiesen.

Beispiele:

  • Horw: Trinkwasser aus dem Vierwaldstättersee – keine relevanten PFAS-Rückstände.

  • Ebikon (2024): Zwei PFAS-Verbindungen unter 0,001 µg/l – weit unter den zulässigen Grenzwerten.

Fazit:

Im Raum Luzern ist die Wasserqualität derzeit sicher – PFAS sind messbar aber bisher keine Grenzwertüberschreitung.

Wo PFAS im Alltag stecken

PFAS findet man besonders dort, wo etwas wasser-, fett- oder schmutzabweisend sein soll.

Typische Bereiche:

  • Küchenutensilien: Antihaftpfannen (vor allem ältere Modelle mit klassischen Teflonbeschichtungen).

  • Outdoor- und Regenkleidung: Lange Standard für wasserabweisende Ausrüstung; viele Marken setzen inzwischen auf PFAS-freie Alternativen wie Silikon-, Wachs- oder Polyurethan-Beschichtungen.

  • Kosmetik: Wasserfestes Make-up, Mascara, Lippenstift, Cremes oder Nagellack enthalten häufig PFAS für Haltbarkeit und geschmeidige Textur.

  • Verpackungen: Fettabweisende Take-away-Boxen oder beschichtete Pizzakartons.

  • Möbel und Bauprodukte: PFAS in Imprägnierungen oder Oberflächenbeschichtungen.

Textilien-Marken mit PFAS-freien Outdoor-Produkten:

VAUDE, Patagonia, Jack Wolfskin, Fjällräven, Páramo, Ortovox

PFAS im Alltag reduzieren

Es braucht keine radikale Lebensumstellung, kleine Massnahmen helfen schon viel:

  • Alte Antihaftpfannen ersetzen: Gusseisen, Edelstahl oder Keramik sind PFAS-frei.

  • Bei Regenjacken oder Outdoor-Ausrüstung gezielt nach PFAS-freien Modellen suchen.

  • Bei Kosmetik auf wasserfest eher verzichten.

  • Verpackungen bewusst wählen: Unverpackte oder minimal verpackte Produkte bevorzugen.

  • Wasserfilter nutzen: Standardfilter wie BRITA reduzieren PFAS zu einem relativ grossen Teil (ca. 60–70 %). Bei hoher Belastung sind Reverse-Osmose- oder Ionentauscher-Systeme nötig.

Woran man PFAS-freie Produkte erkennt

  • Angaben wie „PFAS-frei“, „frei von per- und polyfluorierten Chemikalien“, „ohne fluorierte Imprägnierung“

  • Labels wie bluesign, OEKO-TEX, GOTS (Global Organic Textile Standard), IVN BEST / NATURTEXTIL, Nordic Swan Ecolabel

Fazit

PFAS sind kein fernes Industrieproblem - sie bleiben in Böden, Gewässern und Nahrungsketten praktisch unbegrenzt und können sich im Körper über Jahre anreichern. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen PFAS und Belastungen von Leber, Nieren, Immunsystem oder hormonellen Prozessen. Und sie betreffen unseren Alltag direkt: von Pfannen und Kleidung über Kosmetik und Verpackungen bis hin zu Seen und Trinkwasser.

Proaktiv handeln:

Die Schweiz macht mit den neuen Regeln einen wichtigen Schritt. Mit bewussten Kaufentscheidungen und einfachen Änderungen im Alltag kann jede Person bereits heute die eigene Belastung reduzieren und die Umwelt schützen – vor Chemikalien, die sonst noch viele Generationen beschäftigen würden.

Weiterführende Links

Das Thema PFAS ist riesig. In diesem Blog habe ich mich bewusst auf die alltagsrelevanten Aspekte konzentriert.
Wer tiefer einsteigen möchte, findet hier eine Auswahl weiterführender Informationen und offizieller Quellen:

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